SUBkulturen XIV

Valentina Kvesić, Früchte des Lebens (2009), Mischtechnik, 50x50 cm

Erkenntnisfrüchte

(- Bildbetrachtung -)

 

Im Paradies, am Beginn der Zeit,

Geschlagen

Mit Blindheiten, wagen

Sich Gottes Ebenbilder sehr weit

Vor, wollen

So sein wie Er, sollen

Aber nicht zum Erkennen bereit

Sein; Leben

Heißt, sich zu erheben

Vom Lehm, aus dem man geschaffen, speit

Der Schöpfer,

Jener Weltentöpfer,

Auch darauf, gibt Er dennoch Geleit:

Existenz

Provoziert Transzendenz.

 

Süße Früchte verführen zum Kuss,

Erkenntnis

Führt zum Selbstbekenntnis

Menschlicher Schwäche, sehr zum Verdruss

Göttlicher

Eitelkeit, erblicher

Ebenbildlichkeit, aus einem Guss

Ist das Werk,

Sogar der Prüfvermerk,

Das Gütesiegel war ein Beschluss

Der Weisheit

Jener höchsten Einheit

Die den Anfang kennt und auch den Schluss

Sehen kann,

Des Lebensfilms Abspann.

 

Zu sein wie Gott bietet die Schlange

Der Schöpfung als Gewinn,

Als Unsinn

Entpuppt sich’s, denn dem dunklen Drange

Folgt Nacktheit nur und Scham

Und vor Gram

Verzehrt sich das Geschöpf so lange,

Bis das süße Wissen

Das Kissen

Zerknautscht, von feuchter, roter Wange

Durchnässt und zerrissen,

Beflissen

In vornübergebeugtem Gange

Zum Bösen verleitet,

entgleitet.

 

Intellektuelle Skepsis heißt

Des eigenen Willen

Spurrillen

Mit der göttlichen Wahrheit verschweißt

Und verlötet zu seh’n,

Zu verweh’n,

Der erhabenen Sphäre entreißt

Man stolz das Geheimnis;

Versäumnis

Verschachtelter Wirklichkeit durchbeißt

Der Unschuld Nabelschnur,

Moll und Dur

Vertont die Seele, die sich losreißt:

Eloquenz transzendiert

Immanenz.

 

(entstanden am 28. Mai 2015)

 

(c) & (p) by Peter Wayand